#1: A TAXING WOMAN (1987)

Taxing Woman Posteraka マルサの女
aka DIE STEUERFAHNDERIN

Regie, Buch: Juzo Itami

mit Nobuko Miyamoto, Tsutomu Yamazaki

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Ob Eiscafe, Pachinkohalle oder altes Ehepaar: Die Bevölkerung investiert viel Energie und Kreativität, Geld vor dem Fiskus zu verstecken. Ebensoviel Ambition legt RYOKO – eine unermüdliche Steuerfahnderin auf der Suche nach dem versteckten Geld an den Tag.

Von ihrem Aufstieg und dem Kampf gegen einen besonders listigen Hotelbetreiber erzählt A TAXING WOMAN zu deutsch: DIE STEUERFAHNDERIN von JUZO ITAMI aus dem Jahr 1987. Warum eine spröde klingende Handlung wie diese trotzdem einen verflucht unterhaltsamen Film abgibt, der umgerechnet mehr als 90.000.000 US Dollar an den japanischen Kinokassen eingespielt hat, erfahrt ihr in unserer ersten Folge Kinochiwa.

Anlass mit diesem Film zu beginnen, war jedoch nicht nur unsere Liebe für die Zeit und Ikonographie des japanischen Wirtschaftswunders der 80er, sondern auch die Aktion “Ein Film – viele Blogger” von Schöner Denken.

Viel Spaß beim Hören, Sehen und Diskutieren.

Kinochiwa




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– Wir würden uns über Eure Bewertungen freuen!

Trailer

Bonus Info: Der Film war ein derart großer Erfolg, dass Capcom es sich nicht nehmen ließ, daraus ein Spiel für das Nintendo Famicom zu entwickeln.

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  • tenzuogo

    Gratuliere zur ersten Folge! Gespannt auf die nächste 🙂

  • Kamil L.

    Eine sehr gelungene Einstandsfolge! Freue mich sehr über euer Projekt, da ich, was japanisches Kino angeht, unglaublich große Wissenslücken aufweise und einfach darauf gespannt bin, von euch auf die Unterschiede zu unserer westlichen Filmlandschaft aufmerksam gemacht zu werden.

    Eine Frage noch zum Schluss: ich bin mir nicht sicher, ob ich das Prinzip der ‘Coverage’ richtig verstanden habe. Nennt sich Coverage also die Art, Dialoge beispielsweise im konservativen Schuss/Gegenschuss-Format zu drehen (vermutlich in mehreren Durchgänge mit Close Ups und Wide Shots) aus dessen Pool dann einfach beliebig hin- und her geschnitten wird? Und der Unterschied zu diesem Film wäre dann, dass Itami quasi für jeden einzelnen Schnitt die Kamera immer auf neue Positionen gesetzt und mit neuen Perspektiven ausgestattet hat? Wird sowas dann auch wirklich bloß mit einer einzigen gleichzeitig Kamera abgedreht? Wenn ja, dann ist diese Technik wohl in der Tat etwas, was man als das genaue Gegenteil von ‘lazy film making’ verstehen würde (wobei mich da auch interessieren würde, ob solch ein Regisseur auch noch vor Ort viel experimentiert oder ob sich seine Vision schon ganz fest und früh in seinem Kopf manifestiert hat).

    • Memo Jeftic

      Und wir freuen uns, dass es dir gefallen hat, Kamil. Zu deiner Frage: Du hast das Prinzip der Coverage sehr gut verstanden. Und meist wird auch mit einer Kamera gedreht. Das hat nicht nur finanzielle Gründe (weniger Personal etc) sondern auch Lichttechnische, weil sich eine Schussrichtung der Kamera leichter einleuchten lässt, als zwei, die sich eventuell in die Quere kommen. Natürlich verzichtet auch Itami nicht vollständig auf Coverage – denn das wäre eine Verzicht auf Schuss-Gegenschuss, der sich für Dialogszenen sehr gut eignet. Aber trotzdem zeichnet seine Filme stilistisch der “Schnitt in der Kamera” aus. Es ist eine hohe Kunst die viel Disziplin und Könnerschaft erfordert. Wie aber beim Dreh aufgelöst und experimentiert wird ist denke ich eine indivudelle Angelegenheit jeden Regisseurs. Sollte dich das Thema weiterhin interessieren kann ich dir sehr diesen Text von David Bordwell ans Herz legen, der sich mit dem Itami-Stil auseinandergesetzt hat:

      http://www.davidbordwell.net/blog/2011/01/03/direction-come-in-and-sit-down/

  • Shuji Terayama

    Hallo, eines mal vorweg, die Episode war interessant. Einige Sachen sind mir aufgefallen:
    Ihr müsst versuchen die Tonspur auf das gleiche Volumen zu bringen, ist vorallem nervig für Leute die mit Kopfhörern surfen und sich euren Podcast anhören.

    Was sehr wichtig ist, was ihr glaub ich nicht erwähnt habt, war, dass Itami bedroht wurde nachdem der Film rauskam und die Drohungen ihren Höhepunkt hatten bei Minbo wo Itami von Gotogumi attackiert worden war + seinen “Suizid”.

    A Taxing Woman is definitiv kein “Beginner” Film mit dem viele Leute etwas anfangen können, vorallem weil man sich für diese Zeit schon interessieren muss bzw. sich damit auseinandergesetzt haben.

    Ein paar eurer Fakten der babburu keiki waren ziemlich vage muss ich gestehen, vorallem bei “ernsteren” Themen wie Wirtschaft kann man ruhig objektiv davon erzählen.

    Aber war ganz inordnung, die Geschichte vom albanischen Restaurant fand ich vorallem klasse haha.
    Gruß, ein Albaner

    • Hallo Shuji. Danke für deine Anmerkungen. Wir hatten tatsächlich einen längeren Block im Podcast der sich mit Itamis Suizid beschäftigt hat, haben ihn aber aus zwei Gründen rausgeschnitten. Erstens wurde der Podcast dadurch zu lang und zweitens ist es ein Podcast über A Taxing Woman und nicht über Juzo Itami. (Zudem Jake Adelstein, der die Gotogumi ins Spiel gebracht hat, journalistisch höchst fragwürdig ist)

      Was du mit “Beginner”-Film meinst ist nicht ganz klar und vielleicht magst du etwas näher drauf eingehen. Der Film ist in Deutschland auf DVD verfügbar. Teil eines deutschlandweiten Bloggerprojekts (Viele Blogger, ein Film) und selbst bei Unkenntnis mancher kultureller Feinheiten sehr gut verständlich und universell. Gier. Steuerhinterziehung. Karriere. Betrug oder die Verführung des Geldes sind auch in unserer westlichen Wertegemeinschaft nicht gerade unbekannt.

      Für die Eräuterungen zur Bubble Economy gilt das gleiche wie für Itamis Biographie. Zu lange und zu spezifisch ohne einen gerechtfertigten Erkenntnisgewinn für den Film. In Zusammenhang mit A Taxing Woman reicht es vollkommen aus zu wissen, dass die Bevölkerung durch ein Wirtschaftswunder sehr reich geworden ist und alles daran setzt, noch reicher zu werden.

      Oder um es anders zu sagen: Kinochiwa ist kein Podcast über Japan, sondern ein Podcast über den japanischen Film. Natürlich würden wir uns freuen dich weiterhin als Hörer zu begrüßen.

      • Shuji Terayama

        Hallo! Kein Problem. Was meinst du mit “zu lang”? Hätte mich eigentlich gefreut, falls man den Teil über seinen Suizid doch einfach mal als kleines Extra für den Start des Podcasts inkludiert hätte! Ich hab mich eigentlich auf Goto’s Biographie bezogen die 2010 herauskam. Es gab einige Interviews auf youtube wo er gesagt hat das er direkt nichts mit der Sache zu tun hatte aber wohl einige seiner Anhänger es in der Tat getan hätten. Adelstein hat ihn beschuldigt das er direkt an den Suizid beteiligt war als Itami starb, aber hinter der Attacke war die Gotogumi. Ob es doch kein Suizid war werden wohl wenige wissen, deswegen habe ich einfach nur “+ Suizid” geschrieben. Kann man hier kaufen btw:
        http://www.amazon.com/Habakarinagara/dp/4796675477

        Vielleicht liegt mir ja die Wortwahl gerade nicht gut weil ich müde bin aber mit “Beginner”-Film meinte ich so was wie einen einleitenden Film ins japanische Kino. Das alles wusste ich leider nicht, ich bin nur dem Link auf der REM Facebook Seite gefolgt. Das will ich nicht bestreiten aber irgendwie ist es trotzdem schwer sich an den Film zu gewöhnen, vielleicht ist es für andere einfacher, aber bei mir hat es erst spät gezündet.

        Ja gut, es war doch einfach nur eine kleine Kritik von mir. Es würde mir persönlich gefallen, tiefer in die Materie zu gehen und dabei den Film zu erläutern, ob es dann mit dem wöchentlichen Release klappt ist eine andere Sache. ^^

        Klar doch! Ein paar Anmerkungen heißen ja nicht gleich, dass ich keine Lust habe auf mehr haha.